SCHRÖDER UND STOIBER MÜSSEN NEUE FLUSSPOLITIK ZUR CHEFSACHE MACHEN
BUND fordert wirksamen Hochwasserschutz statt Kanalisierung
21. August 2002
Berlin -
Einen Katalog von mittel- und langfristigen Maßnahmen zur
Hochwasservorsorge hat heute der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
(BUND) in Berlin vorgelegt. Noch vor der Bundestagswahl müssten vor allem
für Elbe und Donau auf politischer Ebene die Weichen neu gestellt werden.
Kanzler Schröder und Kanzlerkandidat Stoiber wurden aufgefordert, die
Flussausbaupläne für beide Flüsse sofort zu stoppen. Der vorbeugende und
ökologisch verträgliche Hochwasserschutz müsse angesichts der
Flutkatastrophen an Elbe und Donau jetzt Chefsache werden.
Dr. Gerhard Timm, BUND-Bundesgeschäftsführer: "Kandidat Stoiber hat den
Schutz der Donau und Kandidat Schröder den der Elbe in der Hand. Der
bayerische Ministerpräsident muss seine Donau-Staustufenpläne zwischen
Vilshofen und Straubing aufgeben, Kanzler Schröder muss den Elbeausbau
stoppen. Vorbeugender Hochwasserschutz heißt, den Flüssen endlich mehr Raum
zu geben. Die für den Flussausbau an Elbe und Donau verplanten rund eine
Milliarde Euro müssen für Deichverlegungen und Überschwemmungsflächen
eingesetzt werden."
Der traditionelle Hochwasserschutz mit Deichbauten und Deicherhöhungen habe
nach BUND-Auffassung bei der aktuellen Flut seine Grenzen deutlich gemacht.
Da inzwischen über 80 Prozent der hochwasserdämpfenden Flussauen zerstört
worden seien, drohten bei klimatisch bedingten Wetterextremen weitere
Überschwemmungskatastrophen. Nötig seien jetzt länderübergreifende
Sofortprogramme für einen ökologischen Hochwasserschutz und die
Wiederherstellung natürlicher Flutungsräume und Feuchtbiotope.
BUND-Hochwasserexperte Sebastian Schönauer: "Die Flüsse wurden begradigt,
kanalisiert und in ein immer engeres Bett gezwängt. Notwendige
Retentionsflächen für die regelmäßig wiederkehrenden Hochwasser wurden
dramatisch verkleinert. Am Rhein zum Beispiel auf ein Zehntel. Expandierende
Gewerbegebiete und Industrieflächen, Wohnsiedlungen und Straßen haben die
Einzugsgebiete der Gewässer versiegelt. Jetzt wird schmerzhaft deutlich,
dass der Ausbau der Flüsse zu Kanälen ihre natürlichen Überschwemmungszyklen
blockiert."
Dr. Ernst Paul Dörfler, BUND-Elbeexperte: "Wenn das Hochwasser vorbei ist,
will die Kanallobby weitermachen wie bisher: Es soll ausgebaggert, vertieft,
begradigt und kanalisiert werden. Mit fadenscheinigen Argumenten werden
Ausbaumaßnahmen an Elbe, Saale, Havel, Oder, Ems und Donau geplant.
Angeblich seien nur größere Binnenschiffe konkurrenzfähig zu Straße und
Bahn. Die Kanalisierung der Flüsse ist aber weder transporttechnisch noch
wirtschaftlich vertretbar, ökologisch ist sie sowieso ein Desaster."
Außerdem fordert der BUND das Bauen in hochwassergefährdeten Bereichen
generell zu verbieten und Ausgleichsflächen für bereits bebaute Flächen zu
schaffen. Dringenden Handlungsbedarf sieht der BUND auch in der
Landwirtschaft. Eine immer stärkere Verdichtung der Böden bewirke eine
deutliche Verschlechterung der Aufnahmefähigkeit für Niederschläge. Dem
könne aber durch veränderte Fruchtfolgen und den Böden angepasste
landwirtschaftliche Geräte begegnet werden.