FLUT UND ELBE-AUSBAU
Beitrag zur Sonderbeilage der THB (Tägliche Hafenberichte)
"Binnenschifffahrt"
Seit 10 Jahren kämpfen Umweltverbände und Initiativen gegen den
weiteren Ausbau der Flüsse in Ostdeutschland und gegen die
Wiederholung der Fehler, die über Jahrzehnte in den alten
Bundesländern gemacht wurden. Die in den letzten Jahren an der Elbe
durchgeführten Strombaumaßnahmen (Kosten: 100 Mio. Euro) waren in
keinem (!) Fall auf ihre Umweltverträglichkeit geprüft. Die
Wirtschaftlichkeitsprüfungen basierten auf völlig veralteten Daten und
überhöhten Prognosen. Wie in der Studie des Umweltbundesamtes vom
April 2002 nachgewiesen wurde, übertreffen die Kosten der
Strombaumaßnahmen den zu erwartenden Nutzen (Universität Karlsruhe.)
Fazit: "Volkswirtschaftlich nicht sinnvoll".
Auch ökologisch sind die auf der Grundlage von Genehmigungen aus den
30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts realisierten Baumaßnahmen
nicht vertretbar. Deshalb forderte u.a. auch das Bundesamt für
Naturschutz den Baustopp. Nach geltendem EU-Recht (WRRL) ist ein guter
ökologischer Zustand zu erhalten bzw. anzustreben. Die
Binnenschifffahrt pauschal umweltfreundlich darzustellen ist falsch,
wenn ganze Landschaften und Ökosysteme zerstört werden. Wie das
ifeu-Institut Heidelberg (1999) darstellte, schneidet die Bahn
gegenüber der Binnenschifffahrt in puncto Umweltfreundlichkeit besser
ab.
Seit über einhundert Jahren werden unsere Flüsse begradigt, eingeengt
und kanalisiert. Die Hochwasserwellen kommen dadurch immer schneller
und höher auf uns zu (Bundesamt für Naturschutz, Bonn). Diesen
Prozess gilt es endlich zu stoppen und umzukehren. Dazu bedarf es
eines neuen Leitbildes und eines Gesamtkonzeptes. Vorrang muss fraglos
der vorsorgende Hochwasserschutz bekommen.
Die Schifffahrt wird sich den Gegebenheiten der Flüsse anpassen,
u.a. durch die Entwicklung flussangepasster Schiffe bzw. durch bessere
Kooperation mit Bahnunternehmen in Niedrigwasserzeiten. Der in den
alten Bundesländern erfolgte Flussausbau hat übrigens nicht dazu
geführt, dass Güter von der Straße auf die Wasserstraße verlagert
wurden. Seit Jahrzehnten stagniert das absolute Güteraufkommen der
Binnenschifffahrt, der Anteil am Güterverkehr ging in 40 Jahren von
30% auf unter 15% zurück. Das Hauptproblem ist nicht der Ausbauzustand
der Wasserwege, sondern der Mangel an geeigneten Transportgütern. Die
Altindustrien sind im Rückgang begriffen, es fehlt an
binnenschiffsaffinen Massengütern. Auch deshalb wurde die offizielle
Prognose des BMVBW für die Gütermengen auf der Elbe um 70% auf 4,6
Mio. t für das Jahr 2015 reduziert. Das ist genau die Menge, die schon
in den letzten Jahren ohne Ausbau transportiert wurde. Dafür genügen
zehn Schiffe pro Tag (WSA-Zählung Magdeburg). Eine Ausbaunotwendigkeit
ist daraus nicht abzuleiten. Ein Wachstumspotential dagegen liegt im
Containerbereich (schon jetzt fast ganzjährig möglich, allerdings nur
1-2 Schiffe pro Woche! ) und im Personenverkehr (Touristik, Sport- und
Freizeitschifffahrt.) Für diese Nutzungen aber muss die Elbe nicht
teuer ausgebaut werden.
Unter diesen Vorzeichen entspricht es durchaus wirtschaftlicher und
ökologischer Vernunft, den weiteren Ausbau der Flüsse zu stoppen und
eine Wende in der Flusspolitik einzuleiten.
Von Dr. Ernst Paul Dörfler