BERICHT VOM BÜRGERFORUM
Strombaumaßnahmen an der Elbe zwischen Wittenberg und Coswig
am 12.11.2001 im Rathaus Coswig
Das Bürgerforum zum Thema »Strombaumaßnahmen an der Elbe zwischen
Wittenberg und Coswig« fand großes Interesse. Der Ratssitzungssaal im
Coswiger Rathaus reichte nicht mehr aus.
Der Umweltminister des Landes Sachsen-Anhalt, Herr Konrad Keller,
betonte zu Beginn, dass es ihm wichtig sei, das im politischen Raum
polarisierte Thema "Elbe" in einer Veranstaltung aufzunehmen, die vor
allem der Information dienen soll.
Einerseits ist die Elbe als Schifffahrtsweg im Bau, andererseits
bestehe aber auch die Verpflichtung, die Schutzgebote, die sich für
die Flusslandschaft Elbe als europäisches Schutzgebiet ergeben,
einzuhalten und beim Bund einzufordern. Darin bestehe ein
Nachbesserungsbedarf.
Vom Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Dresden, Herrn Ulrich
Finke, wurde die geplante Ausbaumaßnahme in Coswig damit begründet,
dass an dieser Stelle die Tauchtiefen für die Schifffahrt geringer
sind als im Dresdener Bereich. Als Termin für die öffentliche
Auslegung der Unterlagen nannte er das Frühjahr 2002, woraus sich als
möglicher Baubeginn das Jahr 2004 ergibt. Damit verschiebt sich die
ursprüngliche Planung, wonach die Auslegung der Unterlagen in diesem
Herbst und der Ausbau bis 2003 vorgesehen war.
Frau Kühne vom Wasser und Schifffahrtsamt stellte die konkret geplante
Baumaßnahme vor: Streichlinienkorrektur Coswig Elb-km 232,9-235,6.
Der Schifffahrt hinderliche Anlandungen im Fluß (die oberhalb
Coswigs in der Erosionsstrecke abgetragen werden) sollen verhindert
werden, indem die Streichlinienbreite verringert wird.
Auf der Wörlitzer Seite sind auf 1550 m Hakenbuhnen vorgesehen,
anschließend 1150 m Leitwerk. Auf der gegenüberliegenden Coswiger
Seite sollen zur gleichen Zeit die vorhandenen Buhnen instandgesetzt
werden.
In der anschließenden Aussprache wurden die mangelnde Information und
Einbeziehung der Stadt Coswig in die Vorbereitung der Ausbaumaßnahme
kritisiert und Bedenken geäußert, welche Folgen dieser Ausbau im
Zusammenhang mit allen anderen Instandhaltungsmaßnahmen für eine
befürchtete verschärfte Eintiefung und Grundwassserabsenkung haben
könne.
Frau Kühne verwies auf die Untersuchungen der Bundesanstalt für
Wasserbau in Karlsruhe und die Bildung einer Arbeitsgruppe zur Lösung
dieser Probleme in der Erosionsstrecke der Elbe (km 120 bis 230),
deren Ergebnisse und Konzepte aber erst 2002 vorliegen würden.
Die ökologischen Bedenken und dass der Ausbau immer weiter gehen
könnte im Konflikt zwischen Ökologie und Ökonomie wurden sichtbar und
im Schlusswort von Umweltminister Konrad Keller erneut aufgenommen in
der Forderung, dass die Folgen der Strombaumaßnahmen insgesamt zu
prüfen sind auf ihre Verträglichkeit mit den europäischen
Schutzkategorien (FFH-Gebiete), auf ihre hydrologischen Auswirkungen
und auf die Erosion.
Ebenfalls sagte er, dass die im Bundesverkehrswegeplan einmal
beschlossenen Mittel schwer umlenkbar seien - z. B. auf die
Bahn. Verkehrslenkende Massnahmen aber und die Prüfung der
wirtschaftlichen Chancen des Tourismus in der Elbe-Region vermisse er.
Insgesamt hat die Veranstaltung zur sachlichen Information über den
Ausbau in Coswig und für die Bewusstmachung auch der Probleme ihre
Bedeutung gehabt. Die Anfragen und Beiträge von allen Teilnehmern, die
die ökologischen und wirtschaftlichen Interessen und Bedenken
einbrachten, waren an der Sache orientiert. Aber längst nicht alle
Fragen und Wortmeldungen konnten berücksichtigt werden. Eine
Fortsetzung dieser Veranstaltung, wie die Landtagsabgeordnete Frau
Hajek meinte - im Januar 2002 - biete sich darum an.
Wenn sich die Einbeziehung der Bundesländer und der betroffenen
Kommunen in die weitere Vorbereitung der Ausbauvorhaben und in größere
Unterhaltungsmaßnahmenn verbessert, dann ist damit ein Schritt getan,
der auch von der Bürgerinitiative Pro Elbe gewollt ist. Und wenn die
Verschiebung der Ausbaumaßnahme in Coswig der sorgfältigen
Vorbereitung auch der Umweltverträglichkeitsprüfung zu Gute kommt,
gilt das ebenso, macht aber die Forderung nach einem Gesamtkonzept mit
einer Umweltverträglichkeitsprüfung aller Strombaumaßnahmen, wie sie
auch der Umweltminister fordert, nicht überflüssig.
14. November 2001
Pro Elbe Wittenberg
Bürgerinitiative für den Schutz der Elbe
c/o Gottfried Keller
Dörffurtstraße 7
06886 Lutherstadt Wittenberg
Tel.: 03491-400 838
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