"BAUSTOPP IST SCHILDBÜRGERSTREICH"
Sächsische Häfen: Baustopp ist Schildbürgerstreich
Dresden/Torgau (TZ). Für die sofortige Aufhebung des Stopps der
Ausbaumaßnahmen an der Elbe hat sich der Vorsitzende des Sächsischen Hafen-
und Verkehrsvereins, Kapitän Detlef Bütow, in gleichlautenden offenen
Briefen an Bundeskanzler Gerhard Schröder, Bundesfinanzminister Hans Eichel
und Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig ausgesprochen.
Der Stopp, der bereits in der Vergangenheit in langwierigen
Genehmigungsverfahren auf ihre Hochwasserneutralität und
Umweltverträglichkeit hin untersuchten Bau- und Reparaturmaßnahmen gefährdet
akut den Hochwasserschutz und vernichtet täglich volkswirtschaftliches
Vermögen, da an den stillliegenden Baustellen entsprechend den Bauverträgen
für Nichtstun täglich Pönalen zwischen 3500 und 10 000 Euro fällig würden.
Kapitän Bütow, der zugleich Geschäftsführer der Sächsischen Binnenhäfen
Oberelbe GmbH ist, zu denen auch der Torgauer Hafen gehört, weist in seinen
Schreiben darauf hin, dass die Wirtschaft und Bürger in Sachsen angesichts
der prekären Haushaltslage der Bundesregierung kein Verständnis dafür
hätten, wenn seit 60 Jahren überfällige und in der Ausführung befindliche
Reparaturmaßnahmen am Flussbett der Elbe weiter verzögert würden, und die
dafür vorgesehenen Haushaltsmittel durch unsinnige Ausfallzahlungen an die
Bauwirtschaft ungenutzt versickerten.
Kapitän Bütow bezieht sich in seinen Schreiben auf Ausführungen der
parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium Angela
Mertens, die sich anlässlich des Elbschifffahrtstages am 26. September in
Hamburg für eine Fortsetzung des Elbausbaus gemäß dem gültigen
Bundesverkehrswegeplan ausgesprochen hat, da sie nicht damit rechnet, dass
eine erneute Überprüfung der Hochwasserneutralität der vorgesehenen
Baumaßnahmen zu anderen als den bekannten Ergebnissen führen wird.
Angesichts der Mittelsituation des Bundes kommt es daher nach Ansicht des
Sächsischen Hafen- und Verkehrsvereins e.V. einem Schildbürgerstreich
gleich, wenn ein aus offenkundig wahltaktischen Gründen verfügter Baustopp
dazu führe, dass Anfang Januar 2003 zwar festgestellt werde, dass die
Baumaßnahmen unverändert durchgeführt werden könnten, die dafür notwendigen
Mittel jedoch mittlerweile für Ausfallzahlungen an den stillliegenden
Baustellen verbraucht worden seien.
Abschließend schlägt Kapitän Bütow namens der 80 Mitgliedsunternehmen des
SHV vor, die Bundesregierung möge sich bei der Umsetzung der Beschlüsse der
nationalen Flusskonferenz vom 15. September auf die erneute Überprüfung
weiterer vorgesehener Baumaßnahmen, die sich noch nicht im Vergabeverfahren
befänden, beschränken und könne so einen aktiven Beitrag zur dringend
gebotenen sparsamen und sinnvollen Mittelverwendung im Verkehrsetat leisten.
Prof. Heinrich, Vorstandssprecher SHV
Ergänzung von Dr. Ernst Paul Dörfler:
Kapitän Bütow verkennt, dass keine der bisher an der Elbe realisierten
Strombaumaßnahmen auf Umweltverträglichkeit geprüft wurden.
Nach der UBA-Studie vom April 2002 sind zudem die Kosten der
Strombaumaßnahmen höher als der zu erwartende Nutzen. Deshalb darf nicht
weiter gutes Geld dem schlechten Geld hinterhergeworfen werden.