LEITBILD ELBE
Umweltverbände: Die Elbe zum Leitbild lebendiger Flüsse machen
Berlin/Bonn/Frankfurt (ots) - Der Bund für Umwelt und Naturschutz
Deutschland (BUND), der Naturschutzbund NABU und der World Wide Fund
for Nature (WWF) haben heute gefordert, die Elbe zum Symbol für eine
neue Flusspolitik zu machen. Vertreter der Umweltorganisationen
begrüßten entsprechende Vereinbarungen im rot-grünen
Koalitionsvertrag. Zugleich forderten sie Bundesverkehrsminister
anfred Stolpe zur unverzüglichen Umsetzung auf. Außerdem erwarten
BUND, NABU und WWF, dass mit der im Koalitionsvertrag festgehaltenen
Absage an den Ausbau und "ausbauähnliche Unterhaltungsmaßnahmen" die
Bagger an der Elbe endgültig abgezogen werden.
Im Koalitionsvertrag ist festgelegt, dass geplante Ausbaumaßnahmen
wie am Domfelsen bei Magdeburg, an der so genannte Reststrecke
Dömitz-Hitzacker sowie auf dem Abschnitt Coswig-Wörlitz nicht
erfolgen. Damit hat sich die Bundesregierung endlich auch vom
früheren Ausbauziel von 1,60 Meter Fahrwassertiefe und den
diesbezüglichen Aussagen im Verkehrswegeplan von 1992 verabschiedet.
"Das verheerende Hochwasser hat glücklicherweise zu einem Umdenken
geführt. Das muss nun auch zu einer neuen Realität an der Elbe
führen", so NABU-Präsident Jochen Flasbarth: "Durch den Ausbau des
Flusses wäre ein einzigartiges ökologisches Potenzial im wahrsten
Sinne des Wortes den Bach hinunter gegangen." WWF-Präsident
Carl-Albrecht von Treuenfels sagte: "Der Verzicht auf den weiteren
Elbe-Ausbau, wie er 1996 in der Elbe-Erklärung vereinbart worden ist,
sowie auf den Bau von Staustufen an Donau und Saale und damit auf die
weitere Kanalisierung dieser Flüsse bedeutet eine historische Wende
in der Flusspolitik". Positiv beurteilten die Umweltorganisationen
auch die Aufgabe der Unteren Havel als Bundeswasserstraße und die
rasche Renaturierung des Flusses.
Vor allem für Ostdeutschland biete eine neue Flusspolitik an der
Elbe ökologische und wirtschaftliche Chancen. Schwerpunkte sehen die
Umweltverbände dabei im vorsorgenden Hochwasserschutz durch eine
Rückverlegung von Deichen, die Aktivierung von Altauen, das Anbinden
von Flussaltarmen und die Entsiegelung von Ufern. Allein in
Sachsen-Anhalt könnte nach Einschätzung der Verbände mehr als 11.500
Hektar zusätzliche Überflutungsfläche gewonnen werden.
"Damit die Elbe zu einem Vorbild für Europa werden kann, müssen
jene Mittel und Kapazitäten, die zum Ausbau des Flusses eingeplant
waren, jetzt zur ökologischen Gestaltung der Flusslandschaft
eingesetzt werden", forderte die BUND-Bundesvorsitzende Angelika
Zahrnt. Die Verbände erwarten, dass der Bundesverkehrsminister eine
Neuorientierung der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung an der Elbe
einleitet und die Gespräche mit den Umweltorganisationen zu einem
ökologischen Gesamtkonzept zügig wieder aufgenommen werden.
ots Originaltext: Nabu
Digitale Pressemappe: presseportal.de/story.htx?firmaid=6347