DEN KANAL VOLL
Der Binnenhafen Schwedt in Brandenburg, 50 km südlich von
Stettin an der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße
gelegen, soll für Hochseegängig Schiffe angebunden werden. Der
Kanal verläuf parallel zur Oder.
Nach unseren Informationen ist dies weder von der dortigen
Industrie gefordert, noch sind die Seehäfen Swinemünde und
Stettin darüber erfreut Konkurrenz zu bekommen.
Außerdem liegen mit Informationen vor, daß die betroffene
Woiwotschaft in Polen dagegen ist. Internationale Konflikte sind
also vorprogrammiert.
Dazu der anschließende Artikel.
Tagesspiegel und PNN 16. November 2001
Den Kanal voll
Um Ostsee-Schiffe nach Schwedt zu holen, werden Wasserwege verbreitert / Kritik: ökologisch und ökonomisch unsinnig
Claus-Dieter Steyer
Die Naturschützer finden einen drastischen Vergleich: "Der geplante
Ausbau der Wasserstraße ist die dümmste Baumaßnahme seit dem
Turmbau von Babel." Es geht um das Untere Odertal bei Schwedt. Dort
kämpft der "Förderverein der Freunde des deutsch-polnischen Europa-
Nationalparkes" gegen ein Vorhaben der Verkehrsministerien von
Bund und Land. Auf zehn Kilometer Länge soll die Hohensaaten-
Friedrichsthaler Wasserstraße zwischen dem Schwedter Hafen und
der Westoder von jetzt knapp 30 auf 55 Meter verbreitert und von 3,15
auf 4,50 Meter vertieft werden. So sollen große Küstenmotorschiffe von
der Ostsee direkt zum für 68 Millionen Mark gebauten Hafen fahren
können. Das Planungsverfahren hat bereits begonnen.
Der Förderverein, dem mehrere Gemeinden, Unternehmen,
Naturschutzverbände und zahlreiche Einzelpersonen angehören, warnt
vor der Zerstörung wertvoller Landschaften. Links und rechts dieser
Wasserstraße in Brandenburgs einzigem Nationalpark befänden sich
Totalreservate, die seit zehn Jahren nicht mehr bewirtschaftet würden.
"Das betroffene Gebiet ist das Herzstück des Parks, in dem viele vom
Aussterben bedrohte Pflanzen und Tiere zu finden sind", beklagt der
Förderverein. Auf einer vorliegenden Liste stehen unter anderem der
See-, Fisch- und Schreiadler. Doch nicht nur die bedrohten Tiere
erregen viele Gemüter in der Region.
"Das ganze Vorhaben steht auf wackligen wirtschaftlichen
Berechnungen", sagt Anja Dannecker vom Brandenburger Landesbüro
anerkannter Naturschutzverbände. Die geplante Erschließung von
Schwedt als nationalem Hochseehafen richte sich direkt gegen den
Hafen in Stettin. In der Stadt müssten zwei Brücken angehoben
werden, damit Küstenmotorschiffe von der Ostsee die Hohensaaten-
Friedrichsthaler Wasserstraße überhaupt erreichen können. "Polen
dürfte an so einer Konkurrenz aber gar kein Interesse haben", sagt
Dannecker und nennt die Ausbaupläne auf deutscher Seite einen
"Schildbürgerstreich". Statt dessen halte das Nachbarland trotz Kritik
aus Deutschland am Programm "Odra 2006" fest. In naher Zukunft
würden im Nationalpark dann zwei ausgebaute Wasserstraßen im
Abstand von wenigen Hundert Metern verlaufen. Die meisten Schiffe
verkehren ohnehin auf der Ostoder, die in Hohensaaten Anschluss
zum Oder-Havel-Kanal in Richtung Berlin besitzt.
Grundsätzlich zweifelt der Förderverein an den von Zuwächsen
ausgehenden Prognosen des Verkehrs auf dem Wasser. 1995 seien
zwischen Schwedt und der Ostsee 385 000 Tonnen Güter durch
Binnenschiffe befördert worden, im Jahre 2001 aber würden nicht mehr
als 117 000 Tonnen erwartet. Für diese Menge reiche der derzeitige
Zustand der Wasserwege vollkommen aus.
Das Potsdamer Verkehrsministerium unterstützt die Baupläne des
Bundes. "Wir wollen mehr Verkehr von der Straße auf die Schienen und
auf das Wasser verlagern", sagte Sprecher Lothar Wiegand. "Deshalb
brauchen wir mit Blick auf den größer werdenden EU-Wirtschaftsraum
bessere Wasserwege." Die Naturschützer könnten ihre Bedenken im
laufenden Verfahren äußern.
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
Landesverband Berlin e.V.
Winfried Lücking
Referent für Gewässer und Binnenschiffahrt
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