EINSEITIGE INFORMATIONSVERANSTALTUNG ZUM ELBAUSBAU
Position der Bürgerinitiative Pro Elbe zur Elbe-Sondersitzung des Kreistages Anhalt
Zerbst am 16. Mai 2002
Landrat Holger Hövelmann "wollte es genauer wissen" (Zerbster Volksstimme vom 18. Mai), wie es um die Elbe steht und lud die Wasserstraßenverwaltung mit ihrem Präsidenten Achim Pohlmann nach Brambach ein und "verpflichtete den gesamten Kreistag, dessen Konzept anzuhören."
Den Kreistagsabgeordneten wurden die Strombaumaßnahmen als "ökologisch verträglich und hochwirtschaftlich" vorgestellt. Dies ist auch nicht verwunderlich, ist es doch die Hauptaufgabe dieser über 100 Jahre alten Behörde, aus Flüssen Wasserstraßen zu machen - wie in den alten Bundesländern auch sehr gründlich geschehen.
Die Informationsveranstaltung zum Thema Elbe war denkbar einseitig gestaltet. Nur einer Seite wurde die Möglichkeit gegeben, sich darzustellen. Folgende Organisationen und Institutionen hatten bis jetzt nicht die Chance, ihre Erkenntnisse darzulegen.
- Weder wurden die Umweltverbände noch die Bürgerinitiativen gehört, die eine objektive Prüfung des Bedarfs, der Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit der Baumaßnahmen verlangen und gute Argumente für ihre Forderungen haben.
- Der Veranstalter hätte auch das Bundesamt für Naturschutz, Herrn Dr. Alfons Henrichfreise, einladen können, der seit Jahren die "rein technisch ausgerichteten" Strombaumaßnahmen an der Elbe kritisiert und schon mehrfach über die Gefährdung der Elbe und ihrer Auen publiziert hat.
- Herr Dr. Hartwig Haase von der Technischen Universität Otto von Guericke Magdeburg konnte am Beispiel von Mülltransporten in Sachsen-Anhalt errechnen, dass das Binnenschiff der teuerste und unwirtschaftlichste Verkehrsträger ist. Er könnte eine Antwort darauf geben, warum während der über zweistündigen Sitzung nur ein Schiff vorbeigekommen ist - obwohl seit vielen Monaten die Elbe über 2 m Tiefe verfügt und 1 000 - Tonnen - Schiffe ohne Probleme fahren könnten!
- Es hätte auch das Institut für ökologischen Wirtschaftsforschung Berlin, dass eine Studie zur Wirtschaftlichkeit der Elbschifffahrt vorgelegt hat, befragt werden können. Die Wissenschaftler könnten vielleicht erklären, warum fast nur noch tschechische Schiffe auf der Elbe fahren (und wie lange noch?) und warum viele Schiffe - trotz ausreichenden Fahrwassers - leer oder halbleer fahren?
- Wenn auch die Förderung einer elbangepassten Schifffahrt ein ernstgemeintes Thema sein sollte, dann böte sich der Dresdner Ingenieur Dieter Grimmig als Gesprächspartner an, der ein flachgehendes Schiff zum Patent angemeldet hat. Dieses Schiff mit Schaufelradantrieb taucht nur 90 cm tief ein und kann dabei 700 Tonnen laden - das ist eine wirkliche Innovation und kein Rezept des 19. Jahrhunderts! Mit Schiffen dieser Bauart würden sich die Baumaßnahmen an der Elbe weitgehend erübrigen und die Werften an der Elbe hätten Arbeit.
- Auch das Umweltbundesamt, das demnächst an die Elbe nach Dessau umziehen wird, wäre für eine objektive Informationsveranstaltung eine gute Adresse.
- Schließlich hängt auch das Schicksal unseres Welterbes "Dessau-Wörlitzer Gartenreich" vom Umgang mit der Elbe ab, denn diese Parklandschaften und ihre Nutzungen (mit über 500 Arbeitsplätzen im Tourismussektor!) leben vom Wasser. Diesen Zusammenhang untersucht derzeit auch der Münchner Wissenschaftler Detlef Kammeier, Gastprofessor für Welterbe-Studienprogramme an der Universität Cottbus.
Die Elbe ist wohl das kostbarstes Geschenk, das unser Landkreis sein eigen nennen kann.
Es wäre mehr als leichtfertig, die Zukunft dieses Erbes allein von den Informationen einer einzigen Behörde abhängig zu machen, die in einer "unheiligen Dreifaltigkeit" die Baumaßnahmen an der Elbe plant, prüft und obendrein diese auch noch sich selbst genehmigen kann. Demokratie und Objektivität bleiben dabei auf der Strecke.
Wenn dem Landrat und dem Kreistag tatsächlich am Erhalt und einer vielseitigen und nachhaltigen Nutzung unserer Elblandschaft im Sinne der Menschen, die hier leben, gelegen ist, dann sollten auch die Möglichkeiten dazu genutzt werden.